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        Timotheus ist verzagt
Einführung Messe:
Liebe Gemeinde,
Statistiker haben nachgezählt und finden den Zuspruch „Fürchte dich nicht!“ genau 365 Mal in der Bibel.
Für jeden Tag des Jahres. Wie ein roter Faden zieht er sich durch die ganze Bibel: Abraham hört ihn,
als er in hohem Alter in die Fremde aufbricht, genauso wie Hagar, deren Sohn unter einem trockenen Busch
im Sterben liegt. Der Engel sagt ihn Maria bei der Ankündigung von Jesu Geburt.
Den Hirten auf dem Feld
und den Frauen am Grab erklingt er. Und ganz am Ende der Bibel heißt es:
Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und das Letzte. Offenbar weiß die Bibel ganz genau,
dass wir diesen Zuspruch immer wieder nötig haben. Denn Angst, Niederge-schlagenheit,
Verzagtheit, Mutlosigkeit
gehören zu den Grundbe-findlichkeiten der Menschen. Jede und jeder von uns weiß,
worum es dabei geht.

Situationen, Ereignisse, Menschen, das Arbeitsumfeld, die Gesundheit rufen solche Reaktionen hervor.
 
besonderes Schuldbekenntnis
Lasst uns in Stille für einander beten,
die wir hier gemeinsam versammelt sind:
- bedenken wir, mit wem wir hier an diesem Ort verbunden sind
    und was uns mit einander verknüpft…..
   aber auch was uns trennt und wo wir uns absetzen….
-  blicken wir auf die Kraft, die Zeit, die Mühe,
    die wir einander geschenkt haben,
   auf die Liebe, die wir einander geben
   oder vom andern empfangen haben….
   aber auch auf die Liebe und Achtung,
   die wir einander schuldig geblieben sind…..
-  gedenken wir der Zeit, die uns in Freude zusammenschloss…
   aber auch der Zeit,
   mit der wir es uns gegenseitig schwer gemacht haben….
-  denken wir an das, was wir einander schuldig geblieben sind
   an Gutem in Gedanken, Worten und Werken
   und vergeben wir und verzeihen einander,
   wie Gott uns vergibt, wenn wir ihn darum bitten.
Das gewähre uns Gott
der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen
                         Das Burnout des Timotheus
                                 2 Tim 1, 6-8.13-14  
                                          13.10.2019
1. Lage des Timotheus
Timotheus lebte im 1. Jhr. nach Christus - heute sind wir im 21. Jhr. Es hat sich nicht viel geändert.
Das hat sich Timotheus anders vorgestellt: Der Apostel Paulus hat ihn gewinnen können für die „Sache Jesu“.
Und er hat zugesagt. Und es begann mit einer Entflammung durch den Heiligen Geist.

Der Apostelschüler wirkte mit Elan in seinen Gemeinden. Es tat sich was – Aufbruch-Stimmung und auch Erfolg!
Fast wie ein Rausch. Und jetzt die pure Ernüchterung. Die Menschen sind doch nicht mehr so einfach
für das Evangelium zu gewinnen. Mutlosig-keit macht sich beim Mitarbeiter des Paulus breit.
Timotheus leidet unter Selbstzweifeln und fragt sich: „Warum hat meine Arbeit nicht den gewünschten Erfolg?
Ich mühe mich tagein tagaus. Ich stehe früh auf und gehe spät ins Bett. Ich führe stundenlang Gespräche.
Und wenn ich den Eindruck habe: Jetzt hat es der Andere begriffen, worum es eigentlich geht,
dann kommen doch wieder Töne und Sätze, die deutlich machen, dass all meine Bemühungen fruchtlos waren.
Alles andere ist wichtiger geworden – alles andere zieht mehr an.“ Dabei hat er sich so eingesetzt,
mit Herz und Mund, mit Leib und Seele. Die Macht der Verzagtheit und des Ausgebrannt-seins macht sich breit.
 – Burnout – sagen wir heute – Situation, Menschen, das An-die-Wand-reden, Falsch-verstanden-werden,
Widersacher und Querschläger, Verleumdungen und Verdrehungen, auch Unrecht
saugen das Leben des Timotheus aus. Er ist am Ende, ausgebrannt, frustriert – Burnout.

2. Hilfe… 
Kein Zweifel: Timotheus braucht Zuspruch und Unterstützung.
 Und diese Unterstützung kommt von keinem geringeren als vom Apostel Paulus selbst.
Paulus kennt Timotheus gut und lange. Zuspruch, Ermutigung, Wegweisung und Hoffnungskraft
sind für die meisten von uns besonders wertvoll und aufbauend,
wenn wir uns verstanden fühlen mit unserer Geschichte, unseren Hintergrün-den, unseren Stärken und Schwächen.
Echte Wertschätzung, wache Begleitung und ein sorgfältiges Gespür für das,
was jemand in einer ausweglosen Lage wirklich braucht, sind Garanten dafür, dass Menschen,
die sich frustriert und abgehängt fühlen, neuen Mut und Kraft schöpfen. Ermutiger und Hoffnungsspender
brauchen wir alle. Auch Apostel und Apostelschüler und Apostelmitarbeiter.

 
3. konkrete Hilfe:
Und wie sieht die Hilfe konkret aus? Paulus schreibt diese Worte
Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.
(2Tim 1,7)

Das ist die Botschaft des Paulus an den verzagten Timotheus.
Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht.
Verzagtheit ist keine Gnadengabe Gottes. Darin ist sich der Apostel gewiss. Gott entflammt uns.
Er möchte, dass diese Flammen das Leben der Menschen erhellen und erwärmen.
Das Evangelium funzelt nicht vor sich her. Jeder, der mit Gottes Wort in Berührung kommt, weiß,
dass er Freiheit gewonnen hat. Die Freiheit aufzu-treten, zu sprechen, hinauszugehen und niederzureißen,
was ihn und andere klein macht. „In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst.(Augustinus)“.

Die Furcht hingegen lässt kaum Wege finden. Sie lässt nur kurze Schritte zu,
lässt uns nur durch angstvolles Tasten vorankommen und bringt uns schnell aus dem Gleichgewicht.
Der Geist der Furcht ist nicht von Gott. Was dich einengt, das kommt aus dir selbst.
Und so ist der Ruf: „Fürchte dich nicht“, die christliche Hymne schlechthin.

Er gibt uns den Geist der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.
O, wie gern möchte der eine oder andere an diesen Kraft-Geist glauben,
sich von der Liebe tragen lassen und besonnen das wirklich Richtige und Wichtige lebendig werden lassen,
zuerst in einem selbst und dann bei vielen anderen.

Ob der Brief dem Timotheus geholfen hat? Immerhin bekam er von einem Kirchenoberen einen Brief
und wurde nicht im Regen stehen gelassen. Ob er Mitarbeiter in seiner Gemeinde gefunden hat,
die Hoffnung und Zukunft für die Botschaft Christi brachten,
oder begegnete er meist Menschen, die nur das Ihre verfolgten? Wir wissen es nicht.

4. Das Schiff der Kirche
Paulus und viele andere Glaubensboten fuhren mit dem Schiff, um meist über die Küstenstädte
den christlichen Glauben zu den Menschen zu bringen.
Noch heute reden wir ja sogar vom Schiff der Kirche auf dem Meer der Geschichte/der Welt.

Wir alle erfahren es: das Schiff der Kirche ist am Untergehen, durch eigene Fehler, Vergehen,
Fehlentscheidungen u anderes. Eisberge und Monsterwellen bedrängen die Kirche von außen.
Ob da der Satz des Paulus hilft: Gott hat uns nicht den Geist der Furcht gegeben?
Viele verlassen das Schiff inzwischen – ob andere Schiffe sie aufnehmen?
Viele bleiben d konkreten Kirchenschiffen vor Ort fern! Und die Offiziere an Deck d Kirchenschiffs?
Manche sind alt, manche halten streng Kurs, andere versuchen Wende-manöver,
viele machen ihren Dienst, wieder andere sind allein gelassen, weitere sind ausgebrannt. usw.
Nicht jeder kann, wie der berühmte Pfr. Rainer Maria Schießler, dem Münchner Original,
mit lachendem Gesicht die Kirche kritisieren und von sich selbst sagen: „wenn das Schiff der Kirche untergeht,
dann steh ich als letzter an der Reling.“ Denn nicht wenige Priester sind vom Geist der Verzagtheit,
der Niedergeschlagenheit, d Mutlosigkeit u der Depression oder des Burnouts gefangen gehalten.
Eben ausgebrannt. Wer zu stark für die Sache der Kirche gebrannt hat, bei dem kommt die Asche früher.

5. Schluss:
Timotheus ist an den Punkt gekommen, da ihm alles sinnlos erscheint. Er hatte eine sehr gläubige Oma,
stammt aus einer echt christlichen Familie, zog mit Feuer und Flamme auf den Wegen des Paulus mit,
gehört zu den ersten Bischöfen. Jetzt trifft ihn die Verzagtheit. Ob er sich der-fangt hat?
Findet er wieder Zukunft und Hoffnung?
Empfängt er neu den
Geist der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit?
- - - Amen.
                                  (nach einer Idee von Prälat Dr. Bernhard Felmberg (ev) 2010)
                                                                              )